Die Abtei St. Mauritius zu Tholey

Grabplatte des Tholeyer Reformabts Gerhard von Hasselt, + 1517

Am Standort der heutigen Abteikirche befand sich  im 3. Jahrhundert n. Chr. eine Badeanlage, die Teil einer palastartigen römischen Prunkvilla des 2. bis 3. Jh. war.

Der fränkische adelige Adalgisel genannt Grimo, ein Angehöriger der merowingischen Königssippe, lässt  Anfang des 7. Jahrhunderts eine rechteckige Kirchenanlage als Eigenkirche unter Nutzung der Baureste der römischen Badeanlage anlegen und siedelt dort eine Klerikergemeinschaft an. In seinem Testament vom 30. Dezember 634 übereignet Adalgisel diese Eigenkirche mit dem zugehörigen Besitzt aus Dank für die erhaltene Erziehung an den Bischof von Verdun dessen Herrschaftsrechte bis ins 14. Jahrhundert nachweislich ausgeübt werden.

Kirchlich gehörte Tholey immer zum Erzbistum Trier, dem die Suffraganbistümer Metz, Tour und Verdun zugeordnet sind waren.

Mitte des 8. Jh. wird die Kirche durch eine rechteckige Choranlage erweitert. Sie entspricht der genauen Größe der Choranlage der Willibrordus-Basilika zu Echternach. Wahrscheinlich beginnt um diese Zeit das benediktinische Klosterleben in Tholey.

Im 10. Jahrhundert entsteht das Archidiakonat Tholey mit 154 Pfarreien als ein Verwaltungsbezirk des Erzbistums Trier. In den 1230er Jahren begann man mit dem Bau einer dreischiffigen spätromanischen Kirche in Tholey. Diese wurde jedoch aufgrund der kriegerischen Zeiten nie gänzlich vollendet. In 1260er Jahren liegt der Baubeginns der heute noch stehenden frühgotischen Abteikirche. Portal, der mächtige Westturm und einige Lichtgadenfenster werden von der romanischen Bauanlage übernommen. Um  1302 ist das Bauwerk vollendet und dient als Abtei- und Wallfahrtskirche. Die Schirmvogtei lag in Händen der Grafen des Bliesgaus, seit 1277 in Händen der Herzöge von Lothringen.  Während der Wirren des 30jährigen Krieges (1618 - 1648) wurde die Schaumburg mehrmals erobert und die Abtei durch Brand und Plünderung geschädigt.Ende des 15. Jahrhunderts trat die Abtei Tholey der Bursfelder Kongregation bei und erlebte eine Blütezeit geistigen Lebens und wirtschaftlicher Konsolidierung. Der Niedergang am Ende des 18. Jh. ist durch die 1768 erfolgte Einsetzung des Kommendatarabtes Pierre de Salabert durch den König von Frankreich begründet. 1794 fand die Abtei durch Brandschatzung und Plünderung seitens französischer Revolutionstruppen ein endgültiges Ende. Am 7. Juli 1794 wurde die Abtei aufgehoben, 1798 wurden Kirche und Abteigebäude versteigert. 1806 erwarb ein Tholeyer Bürger die noch erhaltenen Gebäude der Abtei und schenkte sie der Gemeinde als Pfarrkirche und Wohnung für den Pfarrer. Von daher ist die Tholeyer Abteikirche zugleich auch die Pfarrkirche der Gemeinde Tholey.

Am 8. 12. 1949 wurde die Abtei durch Papst Pius XII. wiedererrichtet und von Mönchen der Abtei St. Matthias in Trier unter der I.eitung von Abt Dr. Petrus Borne in der Osterwoche 1950 neu besiedelt

Das Testament der fränkischen Adeligen Adalgisel genannt Grimo aus dem Jahre 634

Grimo Testament

Das in einer Kopie des 10. Jahrhunderts erhaltene Testament stellt die älteste Urkunde der Rheinlande dar. Grimo gehörte zur Führungsschicht des Merowingerreiches und war Mitglied der Königssippe. Entsprechend umfangreich waren die Besitzungen, welche verschiedenen kirchlichen Institutionen zukommen lässt. Sie reichen vom Tal der Maas über das Moseltal bis hin nach Tholey. Tholey kommt in verschiedenen Namensformen vor (Teulegio, Toleio, Taulegius). Noch unzureichend ist die Lage des mit Tholey genannten Domo bzw. Doma geklärt. Mögliche Erklärungen wären die Unterscheidung zwischen dem Namen des Vicus im Wareswald oder einer Befestigung auf dem Schaumberg gegenüber der Ortslage Tholey.
Lange diskutiert wurde die Deutung der clerici, die nach Tholey entsendet wurden. Waren sie Weltgeistliche oder Mönche? Ebenso ist die Übersetzung des Begriffes loca sancta diskutiert worden. Stehen die Stätten der Heiligen als Synonym für eine Kirche oder gar für ein Kloster?
Der Kirchenhistoriker Prof. Franz Staab sieht in den verwendeten Worten eindeutig Hinweise auf klösterliches Leben von Beginn an. Tholey war danach noch nicht nach der Regel des hl. Benedikt ausgerichtet, sondern orientierte sich an altgallischen und iro-schottischen Mönchsregeln. Erst Mitte des 8. Jh. dürfte der Konvent dann eine benediktinische Ausrichtung erfahren haben. Mit Prof. Staab darf festgestellt werden, dass Tholey das älteste Kloster auf deutschen Boden ist.

Auszug aus dem Grimo-Testament in deutscher Übersetzung:
 
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Niederschrift. An den 3. Kalenden des Januars im 12. Regierungsjahr unseres ruhmreichen Königs Dagobert. Ich Adalgisel, der auch Grimo genannt wird, zwar Sünder, dennoch durch Gottes Gnade Diakon …Den Ort mit dem Beinamen Domo und das castrum Tholey, in den Vogesen gelegen, wo ich zu Ehre Gottes eine Stätte der Heiligen erbaut habe und wohin der Bischof von [unsicher, Trier oder Verdun] auf meine Bitten Kleriker schickte, die dort dienen, in unversehrter Gänze, so wie es gegenwärtig von mir besessen wird, mit Feldern, Wiesen, Wäldern und Hörigen [Gebäuden], mit allem seinem Recht, mit Zubehör, Einkünften, gekauften Häusern und was zur Zeit meines Todes in diesem Ort gefunden wird, alle und alles, so wie es diese Urkunde, die ich in der Kirche von Verdun gemacht habe, enthält, soll diese Kirche selbst (d.h. Verdun) in ihr Recht und ihre Herrschaft erhalten und soll sie als Verwalter im Namen Gottes besitzen.
 
Im Nachsatz des Testamentes findet sich folgender Bemerk zu Tholey:

Und ich halte es für gut noch zu schreiben, dass, wenn deshalb, weil diese heiligen Stätten in dem vorgenannten Ort Doma oder Tholey von dem Bischof von Trier auf meine Bitten geweiht wurden, künftig [eben jener Bischof] vielleicht in Erwägung ziehen sollte, eine andere Abgabe von der oben genannten Verduner Kirche zu verlangen, er nichts anderes verlangen kann als für das Tauföl, nämlich 31 Goldstücke, die jährlich der Trierer Kirche für das Öl zu zahlen sind. Darüber hinaus soll ihm aber keine Abgabe geleistet werden, wenn es nicht von der Verduner Kirche dort bestimmt wird.; und wenn aus irgendeiner Absicht der Bischof von Trier oder sein Sachwalter gegen die Verduner Kirche wegen des oben genannten Ortes vorgehen oder Gegenteiliges anstrengen würden, soll die Kirche von Verdun alles, was ich der Trierer Kirche zugewiesen habe, zu ihrer Verfügungsgewalt und Herrschaft erhalten. Nichtsdestoweniger soll der Verduner Kirche der schon genannte Ort Doma und Taulegius in seiner ungeschmälerten Ganzheit, wie oben gesagt, mit Christi Gnade gehören.
Ich, Grimo, Sünder, habe dieses Testament, das ich freiwillig aus Gottesergebenheit erstellt habe, gelesen und unterschrieben.
In Christi Namen Paulus von Gottes Gnaden Bischof habe auf Bitten des Obengenannten dieses Testament unterschrieben.


Das Grimo-Testament geriet in Tholey in Vergessenheit und überdauerte als Kopie des 10. Jh. in Kurtierer Beständen die Jahrhunderte. Durch Kriege wurde das Archiv der Abtei oft heimgesucht. Eine Archivüberlieferung ist anhand der Verzeichnisse des 18. Jh. erst ab etwa 1200 fassbar. Jedoch bleiben die Tholeyer Abtslisten als ein weiterer geschichtlicher Quell. Durch die Arbeit von Prof. Wolfgang Haubrichs konnte bewiesen werden, dass sie trotz mancher Ausschmückung späterer Zeit einen historischen Kern beinhalten. Grimo taucht dort als einer der ersten Äbte auf. Die Abtei selbst ging ab dem Spätmittelalter davon aus, dass sie im Jahre 622 von König Dagobert und dem Trier Bischof Moduald gegründet worden sei.

Der hl. Mauritius- Märtyrer, † 302 (?) bei Agaunum, heute St. Maurice in der Schweiz

Mauritius war römischer Offizier, Anführer der 22., der "thebäischen" Legion, die in der Thebais - der Gegend um Theben - in Ägypten ausgehoben worden war und nur aus Christen bestand. Sie hatten sich geweigert, den alten Göttern zu opfern und sich an der Verfolgung der Christen zu beteiligen. Daraufhin ließ Maximianus, der Mitregent von Kaiser Diokletian, jeden zehnten Mann zur Abschreckung umbringen, was aber ohne Erfolg blieb. Er wiederholte das so lange, bis die ganze Legion ermordet war. Mit Mauritius gehörten zu den getöteten Führern Candidus, Innocentius, Exuperius, Constantinus sowie Vitalis. Ursus und Victor entkamen zunächst und wurden später in Solthurn gemartert.

Die Gebeine der Märtyrer wurden schon um 380 wieder aufgefunden, über den Grabstätten entstand eine Kirche, die zum Wallfahrtsort wurde, im 6. Jahrhundert wuchs daraus Kloster St. Maurice d'Agaune. Der hl. Erfreute sich im Frankenreich großer Beliebtheit.

Die Verehrung des hl. Mauritius ist ursprünglich, wie etwa das Abteisiegel oder die Übertragung von Mauritus-Reliquien von Tholey nach Beaulieu im Argonner Wald durch den hl. Chraudingus beweisen. Alljährlich pilgerten am Freitag nach Pfingsten große Scharen zu den Mauritius-Reliquien in der Abtei Tholey.

Der deutsche Kaiser Otto I. erhielt anlässlich seiner Heirat 951 mit Adelheid, der Tochter des Königs von Burgund, von diesem zum Weihnachtsfest 960 Reliquien von Mauritius für seinen Dom St. Mauritius in Magdeburg. Sie galten damals als das ehrwürdigste Heiligtum auf deutschem Boden. Zur Zeit der Ottonen und Stauferkaiser blühte die Verehrung von Mauritius in Deutschland, wie die große Zahl der Mauritius- und Moritzkirchen sowie die noch größere Zahl der Wappen von Adelsgeschlechtern, Bistümern, Klöstern, Städten und Dörfern, die Mauritius zeigen, beweist.

Reliquienschrein mit Armreliquie des hl. Mauritius
Reliquienschrein mit Armreliquie des hl. Mauritius
Standbild des hl. Mauritius, Beginn 18. Jh., Sandstein
Standbild des hl. Mauritius, Beginn 18. Jh., Sandstein
Wappen der Abtei Tholey
Wappen der Abtei Tholey
Wappen des Tholeyer Abtes Caspar de Roussel, 1712-1730
Wappen des Tholeyer Abtes Caspar de Roussel, 1712-1730
Standbild des hl. Mauritius, Abteikirche Tholey, Holz, 18. Jh.
Standbild des hl. Mauritius, Abteikirche Tholey, Holz, 18. Jh.
Wappen der Abtei Tholey, überragt vom Titularheiligen Sankt Mauritius, Holzrelief, 18. Jh.
Wappen der Abtei Tholey, überragt vom Titularheiligen Sankt Mauritius, Holzrelief, 18. Jh.
Pilgerabzeichen, Hl. Mauritius zu Pferde, 14./15. Jh., Blei
Pilgerabzeichen, Hl. Mauritius zu Pferde, 14./15. Jh., Blei

Der hl. Wendelin

Hl. Wendelin als jugendlicher Hirte, 18. Jh.
Die legendäre Wahl des hl. Wendelin zum Abt von Tholey, Tafelbild, 18. Jh.

Festtag: 20. Oktober

Der Heilige Wendelin, auch Wendalin und ähnliche Namensformen, hat eine Entwicklung von einem Lokalheiligen bis hin zu einem weltweit verehrten Heiligen erfahren. Die reiche legendarische Überlieferung überdeckt die historischen Züge jenes Einsiedlers Wendelin, nach dem die nahe Kreisstadt St. Wendel benannt ist. Eine nach dem Jahre 1000 entstandene Lebensbeschreibung des Trierer Bischofs Magnerich (+ 587) erwähnt einen Einsiedler namens Wendalinus, den ein besonders enges Verhältnis zu dem genannten Bischof ausgezeichnet habe. Die Erwähnung Wendelins geschieht im Zusammenhang mit der Nennung anderer Einsiedler, nämlich Wulfialich, Paulus, Ingobert, Disibod, Carilef, Beatus und Bantus. Der historische Kern im Leben dieser Heiligen ist nicht mehr zu ermitteln, ja, die zur Verfügung stehenden Quellen lassen nicht einmal eine sichere Datierung ins 6. Jahrhundert zu. Vermutungen gehen dahin, in ihnen Repräsentanten einer ersten christlichen und missionarisch orientierten Schicht von Germanen zu sehen, die das im Raum der Obermosel (Bistum Verdun) aufgenommene Christentum nach Osten weiter trugen. Faktisch werden sie im 12. Jahrhundert als Volksheilige verehrt und stehen als solche in hohem Ansehen. Wendelin als Gründer und ersten Abt der Abtei Tholey anzusehen, ist abwegig. Als gesichert darf jedoch gelten: Wendelin lebte um die Mitte des sechsten Jahrhunderts als Einsiedler im sogenannten »Waldgebirge« Vosagus (Vogesen), ein Gebiet, das bis in den vorderen Hunsrück reichte und wesentlich größer war als die heute so bezeichneten Vogesen. Sein Grab ist um das Jahr 1000 bezeugt und gibt dem Ort seinen Namen: St. Wendel. Die Kirchentitel und die volkstümliche Verehrung erstrecken sich über West- und Süddeutschland, durch Auswanderung kam die Verehrung um 1800 auch nach Nordamerika und Osteuropa und bis nach Südamerika.

Die Legende machte Wendelin zum Abt von Tholey und zum Königssohn. Angeblich aus königlichem Geschlecht aus Schottland oder Irland, suchte er viele Stätten auf, um unter ihnen eine zu finden, an der er Gott ungestört dienen könne. Da ihm jedoch keine gefiel, kam er bis nach Deutschland, in die Diözese Trier, in das Gebiet der Blies und Saar, wo es noch große Wälder und viel Wildnis gab. Dort angekommen traf Wendelin auf einen Edelmann, der ihn bat, ihm das Vieh zu hüten. Wendelin wurde der Hirte dieses Mannes, der angesichts der Demut und Frömmigkeit des Einsiedlers zu der Überzeugung kam, seiner Dienste unwürdig zu sein. Er zeigte dem Einsiedler einen abgelegenen Ort, baute ihm dort, in der Nähe eines Mönchsklosters, eine Zelle. Seine Hirtentätigkeit prädestinierte ihn zum Schutzpatron der Hirten und in einem weiteren Sinne der Landleute (Bauern, Tagelöhner, Landarbeiter).

Der hl. Theobert

Einzige bekannte Darstellung des hl. Theobert als Kellermeister der Abtei

Festtag: 11. Februar

Die Quellen über den heiligen Theobert sind äußerst spärlich. Die Hauptinformationen zu dieser nur in Tholey verehrten Person stellt das von Eberhard von Camp verfasste „Eulogium in honore S. Theoberti“ dar.


Theobert war Mönch in Tholey. Er soll Cellerar in der Benediktinerabtei von Tholey im Bistum Trier gewesen sein. Die genaue Zeit seines Lebens ist nicht mehr festzustellen. Frühestens in der Mitte des 9. Jh. wird sein Leben angesetzt, denn erst um diese Zeit nahmen die in Tholey lebenden Kleriker die benediktinische Mönchsregel an. Sein Name wird bereits in einem um 1200 entstandenen Reliquienverzeichnis genannt, in dem er als Heiliger bezeichnet wird. Es findet sich auch auf einem aus Tholey stammenden Codex aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts ein zeitgenössischer Besitzvermerk, der auf „Liber Sancti Mauritii et Sancti Thietberti“ lautet.

Im Jahre 1246 spricht Papst Innozenz IV. in einer Urkunde, in der er die Besitzungen des Klosters bestätigt, von einer Theobertus-Kirche in Tholey, womit die spätere Blasiuskapelle gemeint war. Später nennt die Metropolis Treverensis, ein bedeutendes frühes Trierer Geschichtsbuch, den Namen Theoberts. Während der Regierung des Abtes Emicho von Oberstein hatte der Blitz im Jahre 1332 in den Turm eingeschlagen und eine Kiste mit Paramenten zerstört, während die Gebeine St. Theoberts, die in unmittelbarer Nähe ruhten, wundersamerweise unversehrt blieben. Seit dieser Zeit fehlt es an schriftlichen Hinweisen und Äußerungen über Grabstätte und Reliquien des Heiligen.

Alljährlich an seinem Fest, dem 11. Februar, wird mittags im Refektorium der Abtei Tholey Folgendes über Theobert vorgelesen: „Als junger Mann erkannte Theobert die Gefahren in der Welt und trat darum in das Kloster Tholey ein, um als Mönch allein Christus zu gefallen. Wegen seiner Zuverlässigkeit wurde er Cellerar. Auf Befehl des Abtes sollte er eines Tages in der Blasiuskirche auf dem Schaumberg die hl. Messe lesen. Bevor er wegging, ließ er im Keller den für den Bedarf des Hauses nötigen Wein in ein Gefäß laufen. Doch ganz erfüllt mit Andacht, im Hinblick auf die bevorstehende Feier des hl. Opfers, vergaß er den Hahn des Fasses zu schließen. Während der Messe fiel ihm plötzlich ein, was er vergessen hatte, doch beendete er sie mit aller Ruhe und Andacht, alles weitere Gott überlassend. Bei seiner Rückkehr fand er das Fass tatsächlich noch offen, und das untergestellte Gefäß bis zum Rande gefüllt, aber kein Tropfen war verloren gegangen. Der Wein hatte, sobald das Gefäß voll war, zu fließen aufgehört.“

Der hl. Cuno von Pfullingen

Erzbischof, MärtyrerGedenktag katholisch: 1. Juni* um 1016 in Pfullingen† 1. Juni 1066 in Ürzig

Cuno von Pfullingen wurde im Jahre 1066 auf Betreiben des Erzbischofs Anno von Köln durch  Heinrich IV. zum Erzbischof von Trier ernannt. Noch bevor er in seine Bischofsstadt einziehen konnte wurde er von seinen Gegnern abgefangen und ermordet. Die Ereignisse spielen am Vorabend des Investiturstreites zwischen Kaiser und Papst um das Recht der Einsetzung von Bischöfen und Prälaten. Die sterblichen Überreste Cunos kamen nach einer Odyssee in die Abtei Tholey. Dr. Franz-Josef Reichert hat das Leben, den spektakulären Tod und den Kult um den unglücklichen Prälaten im Kurtrierischen Jahrbuch des Jahres 2002 unlängst detailliert beschrieben.

Demnach wurde in der Abteikirche zu Tholey eine begehbare Gruft zur Verehrung des hl. Cuno errichtet und sein Kult hatte bis zur Französischen Revolution Bestand. Während der Revolutionswirren gingen sowohl die Gebeine des Cunos, als auch seine von Schwertstreichen und Blutflecken gekennzeichnete Tunika unwiederbringlich verloren. Es schien bis vor kurzem so, dass keinerlei Reliquien des Cunos mehr existieren würden, da gerade am Hauptort der Verehrung in der Abtei Tholey, deren zweiter Patron Cuno war, die materielle Überlieferung ausgelöscht war.

Durch die intensive Zusammenarbeit der heimatgeschichtlichen Vereine im Schaumburger Land ist aber ein bemerkenswerter Fund zur Cuno-Verehrung im Pfarrarchiv Bliesen zu Tage getreten. Dort verwahrt man eine Bleitafel mit Inschrift und zwei Knochpartikel auf, die 1903 beim Abriss der barocken Pfarrkirche in deren Grundstein gefunden wurden. Besagter Grundstein der Pfarrkirche von 1751 befand sich rechts des Turms, etwa einen Meter von diesem entfernt. Ein Arbeiter hatte schon mehrmals mit einem Pickel die Platte getroffen bevor diese sichtbar wurde. Die säuberliche Inschrift gibt das Datum der Grundsteinlegung durch Abt Theobert d’Hame an und erwähnt die Deponierung der gefundenen Cuno-Reliquien. Diese Reliquien wurden hier über zwei Jahre ausgestellt und befinden sich jetzt wieder in Bliesen.

Weihetafel aus Bliesen mit Erwähnung der Cuno-Reliquie
Weihetafel aus Bliesen mit Erwähnung der Cuno-Reliquie
Reliquienkapsel mit kleinem Knochenfragment des hl. Cuno
Reliquienkapsel mit kleinem Knochenfragment des hl. Cuno

Objekte zur Abteigeschichte

Fragmente des Tholeyer Reliquienschreines, 12./13. Jh.
Fragmente des Tholeyer Reliquienschreines, 12./13. Jh.
Fragmente des Tholeyer Reliquienschreines, 12./13. Jh.
Fragmente des Tholeyer Reliquienschreines, 12./13. Jh.
Schüssel mit dem Haupt Johannes des Täufers, Anfang 16. Jh., Messing
Schüssel mit dem Haupt Johannes des Täufers, Anfang 16. Jh., Messing
Schüssel mit dem Haupt Johannes des Täufers, Anfang 16. Jh., Messing
Kerzenständer, 18. Jh.
Schüssel mit dem Haupt Johannes des Täufers, Anfang 16. Jh., Messing
Pyxis, Dose zu kirchlichen Zwecken
Krezenständer, 18. Jh.
Puttenkopf, Kafelofen (?), 17./18. Jh.
Pyxis, Dose zu kirchlichen Zwecken
Verkündigungsengel vom Portal der Abteikirche, heute im Chor der Kirche, 13. Jh.
Puttenkopf, Kafelofen (?), 17./18. Jh.
Verkündigungsengel vom Portal der Abteikirche, heute im Chor der Kirche, 13. Jh.
Verkündigungsengel vom Portal der Abteikirche, heute im Chor der Kirche, 13. Jh.
Kopf der entsprechenden Marienfigur, zerstört während der Französischen Revolution
Verkündigungsengel vom Portal der Abteikirche, heute im Chor der Kirche, 13. Jh.
Kopf der entsprechenden Marienfigur, zerstört während der Französischen Revolution
Kopf der entsprechenden Marienfigur, zerstört während der Französischen Revolution
Bild des Mönches Matthias Dixius, Ende 18. Jh.
Kopf der entsprechenden Marienfigur, zerstört während der Französischen Revolution
Bild des Priors Theobert d’Hame, Ende 18. Jh.

Diverse Architekturteile aus den Grabungen im Inneren der Abteikirche aus dem 12. bis 14. Jh.

Gewölbeschlussstein aus der Abteikirche, Ende 13. Jh.

Das Objekte zeigt durch Reste der Farbfassungen, dass die Abteikirche einst sehr bunt ausgemalt war.

Brunnenbekrönung, 1. Hälfte 13. Jh.

  • Brunnenbekrönung, 1. Hälfte 13. Jh.
  • Brunnenbekrönung, 1. Hälfte 13. Jh.

Blick in die Spoliensammlung im ehemaligen Gefängnishof

Blick in die Spoliensammlung im ehemaligen Gefängnishof

Fragmente des 18. Jh.

Fragment mit Wappen des Tholeyer Abtes Theobert d’Hame (1730-1759)
Statue der Hl. Katharina
Statue der Hl. Katharina
Statue des Hl. Stefan
Puttenkopf

Die Klosterbibliothek

Tholey verfügte einst über eine reiche Bibliothek. Viele Schriften gingen in der Französischen Revolution verloren. Einige Bücher blieben in der Pfarrbibliothek erhalten, andere sind weltweit zerstreut.

Älteste Handschrift der Abtei Tholey
Älteste Handschrift der Abtei Tholey

Drucke des 16. bis 18. Jh