Albrecht Meydenbauer (1834 bis 1921) - Erfinder der Photogrammetrie

Den wissenschaftlichen Artikel von Prof. Jörg Albertz finden Sie hier.

Albrecht Meydenbauer ist in Tholey geboren und hat dort das erste Lebensjahr verbracht. Er entwickelte ein umwälzendes neues Messverfahren von Gebäuden und Gelände auf der Basis einer selbst entwickelten Kamera und neuen mathematischen Verfahren (Trigonometrie) aus Frankreich. Er baute unter Kaiser Wilhelm I. ein hervorragendes Archiv von 20.000 Bildern in Berlin auf. 1986 besuchte er wieder seine Geburtsstätte Tholey und fertigte die heute bekannten 16 ältesten Außenaufnahmen von Tholey an.

Nach längeren Forschungsarbeiten gelang es Dr. Wolfgang Hasler 1996 in einem Archiv die Bilder von Tholey zu finden und Kopien wieder nach Tholey zu holen.

Biografie von Albrecht Meydenbauer

Albrecht Meydenbauer

30.04.1834 Geburt von Albrecht Meydenbauer in Tholey, vier Monate nach dem Tod seines Vaters. Sein Vater, Landarzt, verstarb im Dez. 1833 an einem Nervenleiden. Sein älterer Bruder Wilhelm (geboren 1832 in Tholey, † 1906 in den USA, Seattle) wanderte 1850 nach Amerika aus, führte ein unstet es Leben, kehrte 1857 vorübergehend zurück und ließ sich schließlich in Seattle nieder, wo er eine Bäckerei betrieb. Er wurde dort recht einflussreich und gilt heute als der Gründer und Pionier der Stadt Bellevue, einem Stadtteil von Seattle. (Meydenbauer Yacht Club, Meydenbauer Bay). Unter dem Stichwort „William Meydenbauer“ finden Sie in allen Suchmaschinen weitere Hinweise auf die Bedeutung und Wertschätzung in Seattle.

1838 Die Mutter bekam eine Stellung als Lehrerin und sicherte den Lebensunterhalt.

6.-11. Lebensjahr: Besuch der evangelischen Elementarschule in Trier.

1844 Lernte Albrecht Meydenbauer den Maler Gustav Lasinsky kennen, der einen großen Einfluss auf sein Kunstgefühl ausübte.

1848: Wechsel zum Realgymnasium in Trier

1854: Wechsel zum königlichen Gewerbe-Institut in Berlin

1857: Aufnahme der Nikolaikirche in Brandenburg als Prüfungsarbeit

8. Mai 1858: Staatsprüfung als Regierungs-Bauführer. Schon vor der Staatsprüfung bestellte man ihn zur Aufnahme des Domes in Wetzlar; diese Berufung wurde entscheidend für sein ganzes späteres Leben Bei Messarbeiten stürzte er beinahe in 25 m Höhe ab. Dieser Sturz veranlasste ihn, darüber nachzudenken, ob das Messen von Hand nicht durch Umkehren des perspektivischen Sehens, das durch das fotografische Bild festgehalten wird, ersetzt werden kann. Dieser Gedanke war der Vater des Messbild-Verfahrens.

Oktober 1858-1862: Bauführer-Tätigkeit zuerst in Colberg, später in Erfurt

1859: Eintritt zum Einjährigen-Dienst im Pionier-Bataillon in Erfurt, während der Mobilmachung.

1862 - 1864: Privatdienste

1864: Vernachlässigte seine Laufbahn als Baubeamter, andererseits arbeitete er ohne Unterlass an dem damals noch namenlosen Messbild-Verfahren., dem er 1867 den später weltweit üblichen Namen „Photogrammmetrie“ gab.

Messkamera von Albrecht Meydenbauer, 1890
Messkamera von Albrecht Meydenbauer, 1890

1870: Einberufung in die Armee, Genehmigung zu fotogrammmetrisch Probeaufnahmen auf Kosten des Kriegsministeriums.

1870-1871: Eisenbahn Streckenplanung und Bau in Frankreich. Juni 1871 Rückkehr aus der Armee.
Versetzung nach Cochem zu Vorarbeiten der Moselbahn zwischen Koblenz und Trier.

Sommer 1872: Aufnahme der Castor-Kirche in Koblenz.

Frühjahr 1875: Kreisbaumeister in Iserlohn und Meschede

1. Juli 1879: Bauinspektor und Universitätsarchitekt in Marburg erbaute in Marburg das Chemische Institut, das Physiologische Institut, die Augen- und Medizinische Klinik.1. April 1885: Berufung nach Berlin und Ernennung zum Doktor Phil. h. c. der Universität MarburgHerbst 1887: Ausstellung von Messbild-Aufnahmen. Vortrag über Messbild-Kunst vor der Kaiserin-Mutter und dem gesamten Hofstaat. Durch seine Erfolge bekannt, kam es zu der Berufung, der Aufnahme der gewaltigen Ruinen von Baalbek (heute Libanon nahe der Grenze Syrien, damals Osmanische Reich) mittels Messbild-Technik. Auf der Reise nach Baalbek Aufnahme der Hagia Sophia in Konstantinopel. Diese sehr erfolgreiche Reise war der persönliche Höhepunkt seines Lebens. 1908: Ernennung zum Dr. Ing. e.h. Von der Technischen Hochschule Hannover. 1909 ging Meydenbauer hoch geehrt in den Ruhestand. Albrecht Meydenbauer starb am 15 November 1921. Sein Archiv mit rund 20.000 Negativen von Gebäuden und Denkmälern in ganz Europa befindet sich heute im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege in 15838 Waldstadt, Wünsdorfer Platz 4. Es war die wichtigste Quelle für den Wiederaufbau vieler Kirchen in Berlin nach dem 2. Weltkrieg. Hier fanden wir die ältesten 16 Außenaufnahmen von Tholey aus dem Jahre 1886.

Abteikirche Tholey außen von NO, 1886, A. Meydenbauer
Abteikirche Tholey außen von NO, 1886, A. Meydenbauer

1886, Aufnahme der Abteikirche Tholey von Meydenbauer

Die Aufnahme zeigt eine von 16 Aufnahmen, die Albrecht Meydenbauer 1886 bei einem Besuch in seinem Geburtsort Tholey angefertigt hat.

Auf dieser Reise fertigte er noch Aufnahmen der Festungsanlagen in Saarlouis, der Matthiaskirche in Merzig und der römischen Mosaikböden in Nennig.

Dom Meissen, Schulungsunterlagen von A. Meydenbauer

"An der Stelle eines Vorgängerbaus begann 1266 der Bau des Meißner Domes. Von 1423 an entstand vor dem ursprünglichen Westportal die Fürstenkapelle. Nach der Fertigstellung des dritten Obergeschosses (1471-81) durch Arnold von Westfalen ruhte der Bau der Westtürme.

Um die Jahrhundertwende begannen Bestrebungen, mit den im Mittelalter vorgesehenen, aber nicht ausgeführten Türmen den Dombau zu vollenden. Nach mehreren Vorschlägen wurde der Entwurf von Carl Schäfer angenommen und 1904-09 ausgeführt. Die zur Anpassung an den bestehenden Bau notwendigen Zeichnungen lieferte Meydenbauer durch Auswertung photogrammetrischer Aufnahmen. Daß Meydenbauer als preußischer Beamter ein Objekt in Sachsen bearbeiten konnte, beruhte auf persönlichen Beziehungen aus Marburg, wo er Nachfolger Schäfers als Universitätsarchitekt war.

Die abgebildeten Lehrtafeln zur Demonstration der Methode waren für eine Ausstellung in Dresden bestimmt, deshalb verwendete Meydenbauer die Arbeit am Meißner Dorn als Beispiel. Die klare Darstellung des Systems spart weitere Erklärungen. Bild und Zeichnung zeigen den Zustand des Doms von 1898 ohne die heute das Stadtbild bestimmenden Turmhelme von Schäfer."